Hinweise für die Erarbeitung von schriftlichen Arbeiten (Bachelor, Diplom, Master, Praktikum, ...)

v.5

 

K. Hänßgen

12.2.2014

 

Die Formulierung von Beschreibungen erarbeiteten Materials bzw. die Veröffentlichung von Ergebnissen ist in vielen Fällen eine wichtige Methode, um potentielle Interessenten über den Inhalt der betreffenden Arbeiten zu informieren. Dabei sei dahingestellt, ob es sich um Web-Seiten, Berichte, Gebrauchsanleitungen oder in die Ausbildung eingebundene schriftliche Arbeiten handelt. Die Prinzipien sind in vielen Fällen ähnlich; an vielen solchen Stellen werden gleichartige Fehler begangen und behindern dadurch die Vermittlung des eigentlichen Inhaltes. Die nachfolgenden Bemerkungen sind als Hilfestellung zu verstehen, derartige Fehler zu vermeiden.

Im ersten Kapitel sind deshalb Vorstellungen zu verschiedenen Fragen der Gliederung einer solchen schriftlichen Arbeit gegeben, das nachfolgende Kapitel gibt einen Überblick über wichtige bzw. kritische Elemente bei der Formulierung von Texten und verschiedene, häufig begangene Fehler. In Kapitel 3 sind einige Bewertungskriterien aufgelistet. Kapitel 4 gibt einige Beispiele für häufig auftretende Fehler, die zu schlechten Bewertungen führen.

 

1. zur Gliederung wissenschaftlicher Arbeiten:

 

+ sehr günstig zu verwenden ist ein Abstract:

- ist nicht überall Bedingung

- folgt unmittelbar dem Titel

- ist dem Inhaltsverzeichnis vorangestellt

- Länge maximal eine halbe Seite

- gibt Überblick über den Inhalt

 

+ Einleitung:

            - Hinleitung zum eigentlichen Thema

            - Einbettung des Themas in ein größeres Umfeld

            - Erläuterung des Problems, das in der vorliegenden Arbeit behandelt wird

            - fachlich (!) begründete Motivation für die Arbeit unter der gesetzten Thematik

- kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit

            - „Highlights“ als „Rosinen“ zum Anfüttern potentieller Interessenten

            - ungefähr ein kurzer Satz dazu, welches Kapitel welchen Inhalt hat

            - Länge ca. 5% des Gesamtumfangs der Arbeit

 

+ allgemeine(s) Kapitel

            - detailliertere Beleuchtung des Umfeldes der eigentlichen Arbeit,

            - benutzte Methoden, Hilfsmittel, Theorie(n), Modelle, andere Arbeiten ähnlicher

 Art, ...

            - Länge maximal ca. 40% der gesamten Arbeit

 

+ eigene Arbeit, unmittelbares Arbeitsthema (1 oder mehrere Kapitel)

            - detailliertes Konzept + Begründung

- detaillierte Beschreibung der Umsetzung des Konzepts + Begründung, weshalb gerade auf diese Weise umgesetzt

- Hinweise zu möglicher programmtechnischer Umsetzung, u.U. anhand von Programmtext-Fragmenten erläutert

- detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse, die mit dem Konzept und seiner Umsetzung erreicht wurden

- Diskussion von Fehlermöglichkeiten

- Vergleich mit Ergebnissen anderer Autoren

- der Weg, der zu den präsentierten Ergebnissen gegangen worden ist, muss für den Leser nachvollziehbar sein, die Begründungen müssen schlüssig sein

- Länge nach Möglichkeit nicht weniger als 50% der gesamten Arbeit

 

+ Zusammenfassung und Ausblick

- Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit (derjenigen Kapitel, in der die eigene Arbeit präsentiert wurde)

- ausführlicher als in der Einleitung

- „Highlights“

- Verweise auf mögliche weitergehende Arbeiten an einer äquivalenten oder weiterführenden Problematik

- Verweise auf mögliche eingeschränkte Sichtweisen oder Verwendungsmöglichkeiten

- Diskussion von anderen Zugängen, Alternativen, Vor-/Nachteilen der Lösung, „pro und kontra“, - wenn dies nicht schon in einem separaten Kapitel behandelt wurde

- Länge ca. 5% der gesamten Arbeit

 

+ Inhaltsverzeichnis mit Seitennummer-Angaben der Abschnitte

 

+ Tabellenverzeichnis mit Seitennummer-Angaben der Tabellen

 

+ Abbildungsverzeichnis mit Seitennummer-Angaben der Abbildungen

 

+ Glossar als Auflistung verwendeter Fachtermini und Abkürzungen

 

 

Einleitung und Zusammenfassung müssen sehr sorgfältig formuliert werden, erfordern deshalb in vielen Fällen den meisten Aufwand beim Schreiben der Kapitel. Sie werden erst als letzte Kapitel fertig formuliert werden können und sind Aushängeschild der Arbeit. Potentielle Interessenten entscheiden anhand dieser beiden Kapitel, ob es sich für sie lohnt, die gesamte Arbeit zu lesen.

Wichtig ist die Darstellung der Motivation für die gesetzte Thematik; dem Leser muss klar werden, weshalb diese Thematik wichtig ist und worin das zu behandelnde Problem besteht und dass diese vorliegende Arbeit einen Beitrag zur Behandlung genau dieses Problems liefert.

 

Taktischer Hinweis:

Auch wenn die Einleitung und die Zusammenfassung erst zum Schluss fertig sein können – es ist von Vorteil, die erwarteten Ergebnisse thesenartig auf ein bis zwei Seiten schon zu Beginn der Arbeit zusammenzufassen. Diese werden dann:

- in u.U. gekürzter Form in beide Kapitel eingehen

- den „roten Faden“ der Arbeit vorgeben

- gleichzeitig Anleitung für die eigene weitere Arbeit sein

- in der laufenden Arbeit ständig zu Vergleichen des Soll- und Ist-Standes herangezogen

- laufend bezüglich der tatsächlichen Ergebnisse und Aussagen geeignet aktualisiert

 

 

 

2. strukturelle Fragen und häufig vorkommende Fehler

 

+ Der Bezug auf die (eigene) Person durch Personalpronomen wie „ich“, „wir“, „meine“, „uns“, „Sie“, „Ihre“ ... hat zu unterbleiben. Die jeweils vorliegende Arbeit ist eine wissenschaftliche Ausarbeitung, in der subjektive Dinge nichts zu suchen haben. Empfehlenswert ist von der grammatikalischen Seite her die Nutzung von unpersönlichen Passiv-Konstruktionen. Das unpersönliche „man“ ist relativ ungebräuchlich und deshalb (nach Möglichkeit) zu vermeiden.

 

+ Es ist darauf zu achten, dass nicht zu häufig Wortdopplungen auftreten.

 

+ Der Einsatz von Synonymen für Fachbegriffe ist irreführend:

          Beispiel: In einem Text werden Router behandelt. Wenn dann in diesem Text zur „sprachlichen Auflockerung“ mal von Routern, dann Knotengeräten, Netzwerk-Kopplern, Geräten zur Weiterleitung von Datenpaketen, usw. gesprochen wird, wird der Leser in kürzester Zeit nicht mehr in der Lage sein, den Inhalt richtig zu verstehen.

 

+ Eine einmal eingeführte Sprachregelung und Notation ist durchgängig beizubehalten (Fachbegriffe, Abkürzungen, Schreibweise von Begriffen, ...)

 

+ Die Nummerierung der Tabellen und Abbildungen kann fortlaufend numerisch sortiert erfolgen, günstig ist jedoch eine kapitelbezogene numerische Sortierung, z.B. Abbildung 3.5.

 

+ Abbildungs- und Tabellenunterschriften u.ä. sind genügend ausführlich zu schreiben. Sie sind am günstigsten so zu verfassen, dass sie schon mit dem jeweiligen Bild bzw. der Tabelle selbsterklärend gewisse Einblicke in den Gegenstand gewähren. Wenn der Leser das entsprechende Verzeichnis durchsieht, möchte er aus der gelisteten Unterschrift etwas über den Inhalt erfahren.

Beispiel: Dargestellt worden ist in einer Abbildung der Schichtenaufbau des B-ISDN als 3D-Modell. Die Benennung der Abbildung als: „B-ISDN-Schichtenmodell“ ist zu sparsam und sagt dem Leser nicht, was er in dieser Abbildung finden wird.

Bei der Darstellung von Messergebnissen ist eine Legende empfehlenswert, Angaben über die Messgenauigkeit sind notwendig, z.B. über die mittlere quadratische Schwankung.

 

+ Der Bezug auf Kapitel/Abbildungen/Tabellen/Quelltextfragmente/Listings ist im Text über entsprechend vergebene Nummern/Indices an den relevanten Stellen zu realisieren und deshalb jeweils mindestens einmal zu setzen, z.B.: ..., siehe Abbildung 3.5, ...  Bezüge der Art wie „... im folgenden Kapitel ...“ reichen nicht aus, da sie nicht eindeutig sind: Es kann der unmittelbar folgende Absatz gemeint sein, aber auch das nächste Unterkapitel oder ein übergeordnetes Kapitel. Die Nummernangabe schafft Klarheit.

 

+ Abbildungen und Tabellen sind im laufenden Text genügend ausführlich zu erklären – und zwar mit exakt den Begriffen und Abkürzungen, die dort verwendet wurden. Es muss für die Dinge, die dem Autor wichtig sind, dargestellt werden, was wie zu sehen ist –  nicht jede winzige Kleinigkeit, sondern das, worauf es ankommt, damit der Leser „geführt“ wird und er an dieser Stelle sich nicht selbst überlassen bleibt. Falls das unterlassen wird, wird er u.U. zu völlig anderen Schlüssen geführt oder auf Aspekte gelenkt, die in der Arbeit nicht zur Diskussion stehen.

Beispiel: In einer grafischen Darstellung ist die im Sekundentakt gemittelte Datenübertragungsgeschwindigkeit zwischen zwei Geräten über der Zeitachse mit Maßeinheit Sekunden als Histogramm mit ihren statistischen Schwankungen dargestellt. Im Text wird lediglich darauf verwiesen, dass in dieser Abbildung die Datenübertragungsgeschwindigkeit dargestellt ist. Für Leser, die mit der Thematik vertraut sind, entstehen hier mindestens die Fragen, über welches Zeitintervall gemittelt wurde und wie groß die statistischen Schwankungen und die Messgenauigkeit sind, für den weniger eingeweihten Leser wird mindestens Erklärungsbedarf darin bestehen, in welcher Abhängigkeit die Daten dargestellt wurden, was denn wohl die vielen Maxima und Minima zu bedeuten haben und seine Kritik wird sich darauf richten, dass diese nicht erklärt wurden.

 

+ Literaturangaben können numerisch aufsteigend oder auch alphanumerisch sortiert sein. Numerische Sortierung bedeutet, dass im Text die laufenden Verweise auf Literatur von 1 an fortlaufend nummeriert werden, die Literaturliste ist dann ebenso sortiert. Ein Eintrag in die Literaturliste muss sich zwingend auf mindestens eine Stelle in der vorgelegten Arbeit beziehen und als Index jeweils dort vorkommen.

            Alphanumerische Sortierung bedeutet, dass an der entsprechenden Textstelle ein Kürzel der Art „[xxxnn]“ eingefügt wird. „xxx“ steht dabei für eine das zitierte Werk charakterisierende Buchstabensequenz (meist 3 oder mehr Anfangsbuchstaben des ersten Autors), „nn“ kann als Kürzel für das Erscheinungsjahr stehen, u.U. noch um Index-Ziffern bei mehreren Werken mit gleichlautenden vorangehenden Buchstaben und Ziffern.

 

+ Wörtliche Zitate sind in naturwissenschaftlich/technisch angesiedelten Arbeiten i.a. nicht üblich. Wenn aber Textpassagen, Abbildungen, Tabellen o.a. Material von anderen Quellen übernommen werden, ist die Angabe der Quelle(n) zwingend – ein Kopieren ohne Angabe einer entsprechenden Referenz wird als Betrugsversuch gewertet und führt bei prüfungsrelevanten Arbeiten unmittelbar zur Benotung mit „5“!

 

+ Die Literaturangabe umfasst: Autor(en), Titel, Verlag, Ort, Jahr. Dabei kann die Liste der Autoren, wenn es mehr als zwei sind, abgekürzt werden durch die Angabe „et al.“ oder „und andere“

           Bei Verweisen auf Internet-Seiten wird analog verfahren: Autor(en), Titel, Web-Adresse, Firma, Jahr. Falls Autor und/oder Titel in einer Webseite nicht angegeben sind, ist die Aufführung des Namens der Einrichtung bereits ausreichend. Falls keine Jahresangabe vorhanden ist, wird die Jahreszahl genommen, zu der die Angabe gefunden wurde.

           Falls im Rahmen der Diskussion der bearbeiteten Thematik von Dritten interessante Anregungen und Argumente aufgenommen werden, die bis dahin nirgends behandelt wurden, kann ein Verweis auf eine private Mitteilung gesetzt werden, Beispiel: [NAM02]   V. Name, private Mitteilung, 2002. In einigen Fällen kann es wichtig sein, die Herkunft wichtiger Gedankengänge anzugeben, um dem Urheber Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. I.a. ist jedoch mit dieser Form möglichst sparsam umzugehen.

 

+ Vorsicht mit der Verwendung von Lexika! Eine Literaturliste, die überwiegend Standardwerke oder auch Lexika enthält, signalisiert dem Fachmann, dass es sich bei der betreffenden Ausarbeitung um keine besonders tiefgehende, aktuelle Arbeit handelt, die sich u.U. nur auf populärwissenschaftlichem Niveau bewegt und deshalb den gesetzten wissenschaftlichen Anforderungen an einer Hochschule nicht genügt!!! Selbst dann, wenn Definitionen für Fachbegriffe aus solchen Werken übernommen werden sollen, kann dies problematisch sein, denn die aktuelle wissenschaftliche/technische Bearbeitung von Problemen erfordert in den meisten Fällen viel spezifischere und präzisere Formulierungen als dies in Lexika gegeben ist.

 

+ Die Verwendung von Konjunktiven (sollte, könnte, müsste, vielleicht, kann, ...) ist problematisch. Ein verwendeter Konjunktiv lässt sich u.U. als das genaue Gegenteil von dem interpretieren, was der Autor eigentlich auszusagen vorhatte.

Beispiel: „... hierfür kann das Programm A verwendet werden ...“ soll dafür stehen, dass das Programm A tatsächlich unter den konkreten Bedingungen eingesetzt wird.

Eine Interpretationsvariante: Programm A könnte möglicherweise verwendet werden, im gegebenen Fall erfolgt das jedoch nicht.

           In solchen Fällen, in denen ein Konjunktiv nur mehr oder weniger "umgangssprachlich" verwendet wurde, kann er ohne Probleme weggelassen werden. Wenn tatsächlich mehrere Optionen zu einer gegebenen Aussage möglich sind, dann ist an dieser Stelle eine entsprechende Fallunterscheidung zu treffen und jeder der Fälle zu betrachten, z.B. in einer "wenn-dann-sonst"-Konstruktion.

          Der Konjunktiv wird höchstens dann einsetzbar, wenn tatsächlich mehrere verschiedene Aussagen zu einem eigentlich eineindeutigen Fakt möglich sind und eine der möglichen Optionen sich nicht als relevant herauskristallisieren lässt, also die Eineindeutigkeit nicht festgestellt werden kann. Dann muss aber auch definitiv erklärt werden, woran dies liegt. Genau das ist Teil des Inhalts der Arbeit.

Beispiel: Ein Kommunikationsprogramm liefert eine schlechte Performance. Als mögliche Gründe hierfür sind extrahiert worden: Schlechte Speicherverwaltung im Programm, schlechte Optimierung beim Compilieren, Betriebssystemfehler. Andere Möglichkeiten wurden ausgeschlossen. Die exakte Ursache ließ sich jedoch nicht finden; der Compiler- und Betriebssystemhersteller selbst hat keine nähere Erklärung oder Abhilfe geben können.

Dann muss das in der vorgelegten Arbeit auch in dieser Form dargelegt werden. Die Schuld für die nicht mögliche eindeutige Ermittlung der Ursache liegt somit nicht mehr beim Autor der Arbeit, sondern beim Compiler- bzw. Betriebssystemhersteller.

 

+ Die Verwendung des Worts "oder" birgt Probleme: Wenn es als einschließendes "oder" zu verstehen sein soll, dann ist besser "oder auch" zu benutzen. Wenn es als ausschließendes "oder" gemeint ist, dann ist die Konstruktion "... entweder ... oder ..." zu verwenden.

 

+ Die Benennung der Art der Arbeit (Bachelorarbeit, Masterarbeit, Praktikumsarbeit, ...) erfolgt im laufenden Text nicht, im ersteren oder äquivalenten Fällen nur auf dem Titelblatt.

 

+ Qualitative Attribute sind nichtssagend und deshalb zu vermeiden: Falls sie doch verwendet werden, muss beim ersten Auftreten erklärt werden, was in der vorliegenden Arbeit darunter verstanden wird. Ein Textfragment als Beispiel: „... werden viele Bytes verwendet ...“. Unter „vielen Bytes“ wird jeder Leser etwas anderes verstehen: Für Leser, die auf dem Gebiet der Steuerungstechnik arbeiten, werden möglicherweise 20 Bytes „viele Bytes“ sein, für diejenigen Leser, die aus dem Arbeitsumfeld von Multimedia kommen, werden möglicherweise „viele Bytes“ bei nicht weniger als 200 GBytes angesiedelt sein.

 

+ Rechtschreib-Prüfung

            ist im Text-Editor zu aktivieren

 

+ Abkürzungen und Anglizismen

           können im Text benutzt werden, müssen jedoch – wenn nicht Standard – beim ersten Auftreten erklärt werden; günstig ist dabei, in Klammern dahinter die deutsche Übersetzung zu schreiben.

 

+ keine Prosa

          allzu prosaische Formulierungen lenken vom objektiven Untersuchungsgegenstand ab bzw. lassen ihn in einem subjektiven Licht erscheinen und schmälern letztlich die Anerkennung der Leistung.

 

+ Fertigstellung einzelner Kapitel

            bevor ein Kapitel als „fertig“ betrachtet werden kann, muss es in seinen Aussagen kritisch hinterfragt werden: Dazu sind die einzelnen Absätze, u.U. sogar die einzelnen Sätze, auf ihre Aussage hin zu prüfen, z.B. dahingehend,

- ob die Aussage tatsächlich so wie gewünscht zu verstehen ist oder sogar u.U. gegenteilig aufgefasst werden kann,

- ob die Aussagen genügend deutlich sind,

- ob Widersprüche auftreten,

- ob das Zusammenspiel der Abschnitte, Kapitel und Aussagen systematisch aufgebaut ist und einer inneren Logik folgt,

- ob die oben gegebenen Hinweise beachtet wurden.

Dies ist ebenfalls in Richtung des Zusammenspiels mit anderen Kapiteln zu hinterfragen. Diese kritische Hinterfragung erfordert mehrmaliges und sorgfältiges (!) Lesen. Günstig ist es, wenn die schriftliche Formulierung der Arbeit nach dem ersten Durchsehen bzw. Überarbeiten einige Tage „liegt“ und erst dann weiter bearbeitet wird: Der Autor selbst bekommt nach einiger Zeit eine etwas andere, erweiterte Sichtweise auf die von ihm behandelte Problematik, so dass durch diese Vorgehensweise ein positiver Effekt für das Endergebnis zu erwarten ist.

 

+ die Strukturierung der Arbeit

            ist so zu wählen, dass eine möglichst große Übersichtlichkeit gegeben ist und die inhaltlichen Zusammenhänge leicht erfasst werden können. Abbildungen, Tabellen und Anstriche für logische Aspekte lockern den Textfluss auf und fördern das Verständnis. Mehrseitige ununterbrochene und unstrukturierte Textpassagen wirken ermüdend und können u.U. das Verständnis beeinträchtigen.

 

+ die Gliederung

            wird i.a. mehrstufig sein. Die Staffelungstiefe darf dabei aber nicht zu weit gehen; mehr als vier Stufen sind nicht zu empfehlen. Ein jeweiliger Punkt der Untergliederung muss genügend viel Material enthalten; nur wenige Zeilen Text sind nicht empfehlenswert. Wenn es nur einen Punkt zur Untergliederung gibt, dann ist es besser, diesen aufzulösen.

 

 

 

3. Bewertungskriterien

 

+ fachlicher Inhalt

 

+ Darstellung und Diskussion der Problemlage bzw. Motivation der Arbeit

 

+ theoretischer Background

 

+ praktischer Bezug bzw. Umsetzung in die Praxis

 

+ Originalität und Relevanz der Arbeit

 

+ Diskussion von Fehlern, Alternativen und Grenzen

 

+ Schreibstil und Gestaltung der Arbeit

 

 

 

4. in Arbeiten häufig auftretende Fehler, die zu schlechten Bewertungen führen

 

+ fachlicher Inhalt geht nicht über populärwissenschaftliches Niveau hinaus, es handelt sich mehr oder weniger um "Lexikon-Wissen"

 

+ keine erkennbaren eigenen wissenschaftlichen/fachlichen Leistungen und Beiträge

 

+ Probleme und Lösungen sind unzureichend dargestellt, die im Rahmen der Arbeit erbrachte eigene Leistung ist nicht kenntlich gemacht

 

+ theoretische Grundlagen und analoge Arbeiten anderer Autoren wurden nicht oder nur unzureichend berücksichtigt

 

+ lange Passagen über historische Entwicklungen

 

+ Zitieren von Lexika, Wörterbüchern, Zeitungsartikeln, Werbeprospekten, offenen Internetseiten wie z.B. Wikipedia

 

+ unklare, verschwommene Aussagen durch die Verwendung von Konjunktiven oder auch von Wörtern wie vielleicht, möglicherweise, wahrscheinlich, eventuell, sicherlich, ...

 

+ Verwendung von Pseudo-Fachbegriffen, die von Nicht-Fachleuten aus anderen Fachgebieten kreiert wurden, beispielsweise aus politisch/publizistisch-geprägten Zeitungsartikeln stammen (z.B. "Besserverdiener")

 

+ Verwendung von quantitativen Attributen ohne Erklärung und von unkonkreten Termini, z.B. "... der Player kann Videos in guter Qualität darstellen..."

 

+ "verkürzte Redeweise" (z.B. "... der Rechner wird hochgefahren..." - gemeint ist: "... das Betriebssystem des Rechners wird gestartet..."; "... der Speicher wird gedruckt..." gemeint ist: "... der Inhalt des Speichers (-bereiches ...) wird gedruckt...")

 

+ "pseudo-philosophische Biertisch-Diskussion" ohne konkrete fachliche Inhalte

 

+ zu starke Verallgemeinerungen, für die ein kritischer Leser ein Gegenbeispiel finden kann

 

+ Schwächen in Grammatik und Rechtschreibung

 

+ Diskussion irrelevanter Fakten bzw. Themen, die nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben, z.B. bei der Diskussion der Arbeitsweise einer speziellen Rechnerarchitektur - wo und wie der Rechner im Arbeitszimmer aufgestellt wird

 

+ Lob oder Tadel für präsentierte eigene Ergebnisse, z.B. "... diese Messung habe ich ausgezeichnet dokumentieren können..."

 

+ Verwendung von nicht angegebenen Quellen bzw. unspezifiziert angegebene Sammlung von Quellen